Zylinderpflege: Warum kein Öl in den Zylinder gehört
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Ein Schließzylinder geht selten kaputt. Er wird schwergängig. Erst hakt der Schlüssel beim Abziehen, dann muss man beim Drehen nachhelfen, irgendwann bricht er ab. Und fast immer beginnt das an derselben Stelle: mit dem gut gemeinten Sprühstoß Öl.
Was im Zylinder tatsächlich passiert
Im Inneren arbeiten mehrere federbelastete Stiftpaare in engen Bohrungen. Die Toleranzen liegen im Hundertstelmillimeter-Bereich. Diese Stifte müssen sich frei auf und ab bewegen können — sonst bleibt einer hängen und der Kern dreht nicht.
Was sie blockiert, ist selten Rost. Es ist feiner Staub, der mit dem Schlüssel eingetragen wird, dazu Feuchtigkeit. Beides allein ist überschaubar. Kritisch wird es erst, wenn ein Schmiermittel dazukommt, das den Staub festhält.
Warum Öl und Kriechöl das Problem verschlimmern
Öl, Fett und klassische Kriechöle wirken zunächst hervorragend. Der Schlüssel läuft sofort leichter, und man denkt, die Sache sei erledigt.
Über die folgenden Monate passiert das Gegenteil. Die leichten Anteile verdunsten, der Rest oxidiert und wird zäh. Aus dem dünnflüssigen Film wird eine klebrige Schicht, die jeden eingetragenen Staubpartikel bindet. Die Stifte bewegen sich träger, dann schwerer, dann gar nicht mehr — und im Winter friert die gebundene Feuchtigkeit zusätzlich fest.
Das Unangenehme daran: Entfernen lässt sich das nicht mehr, ohne den Zylinder auszubauen und zu zerlegen. In der Praxis heißt das: neuer Zylinder. Und viele Hersteller lehnen eine Gewährleistung ab, wenn sich bei der Reklamation Rückstände fremder Mittel nachweisen lassen.
Was stattdessen richtig ist
Ein spezielles Zylinder-Pflegespray. Der Unterschied ist nicht Marketing, sondern Chemie: Ein flüchtiges Lösemittel trägt einen synthetischen Schmierstoff bis in die Stiftbohrungen und verdunstet dann rückstandsfrei. Zurück bleibt ein dünner, harz- und säurefreier Gleitfilm, der nicht fettet und keinen Staub bindet.
Achten Sie auf die Angaben „harzfrei“, „säurefrei“ und „nicht fettend“. Und halten Sie sich möglichst an das Mittel, das der Zylinderhersteller vorgibt — es gibt kein Spray, das für jedes System gleich gut passt.
Und Graphit?
Graphitpulver ist ein Festschmierstoff und wurde jahrzehntelang für Schlösser verwendet. Unter Fachleuten ist es heute umstritten: Bei einfachen Schlössern funktioniert es, bei modernen Präzisionszylindern mit engen Toleranzen kann sich das Pulver in den Bohrungen sammeln und dort ebenfalls verklumpen.
Eines ist dagegen unstrittig: Graphit und Sprays dürfen niemals kombiniert werden. Die Mischung aus Pulver und Flüssigkeit ergibt eine Paste, und die ist das Ende des Zylinders. Wenn Sie in der Vergangenheit Graphit verwendet haben, sprühen Sie jetzt kein Pflegemittel hinterher — melden Sie sich lieber kurz bei uns.
So wenden Sie es richtig an
- Nicht in den Zylinder sprühen, sondern einen kurzen Sprühstoß auf den Schlüsselbart geben.
- Den Schlüssel mehrmals einstecken, herausziehen und dabei jedes Mal leicht drehen. So verteilt sich das Mittel gleichmäßig auf alle Stifte.
- Überschuss am Schlüssel abwischen.
Mehr ist ausdrücklich nicht besser. Ein einziger Sprühstoß reicht; zu viel Mittel schwemmt Staub in die Bohrungen statt ihn herauszuhalten.
Wie oft?
Zweimal im Jahr genügt, oder nach etwa 5.000 Schließungen. Bei einer Haustür, durch die eine Familie täglich mehrfach geht, ist das ungefähr der Jahresrhythmus. Ein guter Zeitpunkt ist der Herbst, vor der ersten Frostnacht — dann beugt das Spray gleich der Vereisung vor.
Türen im Außenbereich, Garagentore und Gartenhäuser vertragen etwas mehr Aufmerksamkeit als eine Wohnungstür im dritten Stock.
Kurz zusammengefasst
- Kein Öl, kein Fett, kein Kriechöl, kein Speiseöl — sie verharzen und binden Staub.
- Kein Graphit zusammen mit Sprays. Nie.
- Harz- und säurefreies Zylinder-Pflegespray, aufs Schlüsselblatt, ein kurzer Sprühstoß.
- Zweimal jährlich reicht.
- Ein hakender Schlüssel ist ein Frühwarnzeichen. Wer da nachschaut, statt Kraft anzuwenden, spart sich den abgebrochenen Schlüssel.
Wenn Ihr Zylinder bereits schwergängig ist und Sie nicht wissen, was früher hineingesprüht wurde: Rufen Sie uns an, bevor Sie etwas Neues versuchen. Manchmal ist Spülen sinnvoll, manchmal ist der Tausch die günstigere Lösung.